Erfolg & Leistung
Leistungsdruck und Selbstwert
Warum Leistung sich wie eine Bedingung anfühlt, welche Anerkennung sie ersetzt – und was passiert, wenn du sie kurz weglässt.
Dauer des Gesprächs: 75–90 Min.
Fachlicher Rahmen: Schema „Unerbittliche Standards“, Antreiberdynamik aus der Transaktionsanalyse, bedingte Selbstwertregulation.
Gespräch entlang des Leitfadens führen und direkt in Nokatis aufzeichnen
Transkription läuft mit – Text kann korrigiert werden
Psychologisches Gutachten erhalten – Ansicht und PDF
Nokatis
Reflexions-Leitfaden · Erfolg & Leistung
Coaching-Leitfaden: Erfolg & Leistung
Worum es in diesem Gespräch geht
Es geht um Leistung als Selbstwertregulation: wie viel deines Werts an Ergebnissen hängt und welche Zuwendung Leistung ersetzt.
Arbeitshypothesen
- Möglich ist, dass Leistung eine früh gelernte Bedingung für Zuwendung war – prüfbar daran, wofür es als Kind Aufmerksamkeit gab.
- Möglich ist, dass Erfolg deshalb nicht sättigt, weil er ein Beziehungsbedürfnis beantworten soll – prüfbar an der Halbwertszeit guter Gefühle nach Erfolgen.
- Möglich ist, dass Pause vermieden wird, weil sie ein Gefühl freilegt, das ohne Beschäftigung schwer auszuhalten ist.
Setting und Ablauf
Thema dieses Gesprächs sind Leistung, Druck und Selbstwert. Plane 75–90 ungestörte Minuten und zeichne das Gespräch auf – die Auswertung arbeitet mit dem Wortlaut. Grundhaltung: beobachten statt bewerten, Hypothesen bleiben Hypothesen.
- Zeitaufteilung: 10 Min. Einstieg · je 12 Min. Teil 1–3 · 10 Min. Teil 4 · 15 Min. Teil 5 · 10 Min. Teil 6 · 8 Min. Abschluss
- Rahmen zu Beginn benennen: Aufnahme, Vertraulichkeit, jederzeit Pause möglich, kein Ergebnisdruck.
- Coach spricht wenig: offene Frage, dann aushalten. Stille von 5–10 Sekunden gehört zum Verfahren.
- Nicht deuten, sondern spiegeln: „Du hast gerade gesagt … – stimmt das so?“
Coach-Hinweis: Wenn der Coachee ins Erklären und Rechtfertigen kippt, zurück zur konkreten Szene: Wann, wo, wer war dabei, was genau wurde gesagt?
Einstieg
„Beschreibe mir den letzten Tag, an dem du das Gefühl hattest, nicht genug geschafft zu haben – vom Aufwachen bis zum Abend.“
Teil 1 – Wo ich heute stehe
Bestandsaufnahme auf Verhaltensebene: konkrete Situationen der letzten Wochen statt allgemeiner Selbstbeschreibung. Bleib bei Beispielen, bis sie szenisch werden.
- Woran erkennst du, dass du wieder im Leistungsmodus bist – körperlich, im Ton, im Kalender?
- Wann hat sich ein Erfolg zuletzt wirklich gut angefühlt, und wie lange hielt das an?
- Was tust du an einem Abend, an dem du „unproduktiv“ warst?
- Auf einer Skala von 0 bis 10: Wie hoch ist dein innerer Druck an einem normalen Dienstag?
- Was würden deine Kolleginnen sagen, woran man merkt, dass du unter Druck stehst?
Coach-Hinweis: Achte auf die Sprache der Selbstbewertung („nur“, „eigentlich“, „immerhin“) und mach sie hörbar.
Teil 2 – Woher es kommt
Biografische Spur: Wo hat dieses Muster gelernt werden können? Es geht um Prägung und Funktion, nicht um Schuld.
- Wofür bekamst du als Kind Anerkennung – und wofür ausdrücklich nicht?
- Wer in deiner Familie war stolz, worauf, und wie hat sich das gezeigt?
- Was passierte, wenn du etwas nicht geschafft hast?
- Wann hast du gelernt, dass Anstrengung Zuwendung bringt?
- Wessen Erwartung hörst du heute noch, wenn du dich antreibst?
Coach-Hinweis: Die Stimme des Antreibers hat oft ein Gesicht. Frag danach, statt beim abstrakten „innerer Kritiker“ zu bleiben.
Teil 3 – Was es in mir auslöst
Affekt- und Körperebene: Welche Emotion trägt das Muster, und wie kündigt sie sich körperlich an?
- Was passiert in dir, wenn du eine Stunde nichts leistest?
- Wie fühlt sich Stillstand körperlich an?
- Welche Angst hält dich in Bewegung – und was würde sie dir sagen, wenn du stehen bleibst?
- Was empfindest du, wenn jemand anderes gelobt wird?
- Wann warst du zuletzt einfach müde, ohne dich dafür zu rechtfertigen?
Coach-Hinweis: Erschöpfung wird häufig als Charakterfrage erzählt. Trenn behutsam zwischen Zustand und Selbstbewertung.
Teil 4 – Meine Glaubenssätze
Kognitive Ebene: die inneren Sätze, die als Wahrheit behandelt werden. Lies sie langsam vor und markiere, was wiedererkannt wird.
- „Ich bin nur wertvoll, wenn ich abliefere.“ – Wann hast du diesen Satz zum ersten Mal gebraucht?
- „Pause muss man sich verdienen.“ – Wer hat dir das gezeigt?
- „Wenn ich aufhöre, fällt alles auseinander.“ – Was genau würde fallen?
- „Andere schaffen das leichter als ich.“ – Woher weißt du das?
- „Gut ist erst gut, wenn niemand etwas findet.“ – Wen willst du damit zufriedenstellen?
- Welcher Satz treibt dich am häufigsten an, ohne dass du ihn bemerkst?
Coach-Hinweis: Wenn der Coachee die Sätze schnell relativiert, bitte um langsames lautes Vorlesen – die Reaktion ist aussagekräftiger als die Bewertung.
Teil 5 – Die Punkte verbinden
Synthese: Herkunft, Gefühl und heutiges Verhalten werden zu einer Dynamik zusammengeführt – inklusive Funktion und Preis.
- Wo wiederholst du heute die Erwartungen von damals – nur mit eigener Stimme?
- Was hat dir dieses Muster gebracht, und was hat es dich gekostet?
- Was schützt dein Leistungsmodus davor, gefühlt zu werden?
- Angenommen, dein Wert stünde fest, unabhängig vom Ergebnis: Was würdest du morgen streichen?
- Wer in deinem Umfeld profitiert davon, dass du so funktionierst?
Coach-Hinweis: Der Preis wird oft heruntergespielt. Bitte um konkrete Zahlen: Stunden, ausgefallene Verabredungen, Schlaf.
Teil 6 – Wohin ich will
Richtung statt Zielsetzung: eine erlebbare Beschreibung und ein Schritt, der diese Woche möglich ist.
- Wie würde ein erfolgreiches Leben sich anfühlen, wenn niemand zusieht?
- Was dürfte weniger werden, damit mehr davon möglich ist?
- Welche eine Sache lässt du diese Woche bewusst unfertig?
- Woran erkennst du, dass du dir etwas ohne Gegenleistung gönnst?
- Wen bittest du um Rückmeldung, wenn du zurückfällst?
Coach-Hinweis: Achte darauf, dass der nächste Schritt nicht selbst zur Leistung wird – „weniger“ ist hier oft die richtige Richtung.
Behutsam sein bei
- Wenn Erinnerungen überwältigend werden: Gespräch unterbrechen, orientieren (Raum, Atem, Boden), erst danach entscheiden, ob weitergearbeitet wird.
- Kein Nachbohren bei möglichen traumatischen Erfahrungen – benennen genügt, Vertiefung gehört in einen therapeutischen Rahmen.
- Bei anhaltender Niedergeschlagenheit, Angst oder Selbstgefährdung: Gespräch beenden und auf psychotherapeutische bzw. ärztliche Hilfe verweisen. Coaching ersetzt keine Behandlung.
Abschluss
„Bevor wir aufhören: Lass uns nichts zusammenfassen, was schöner klingt als es ist. Sag in zwei, drei Sätzen, was jetzt am deutlichsten dasteht.“
- Was war der ehrlichste Satz, den du heute gesagt hast?
- Was hast du heute zum ersten Mal laut ausgesprochen?
- Was nimmst du mit – und was möchtest du bewusst liegen lassen?
Coach-Hinweis: Kein Ratschlag am Ende, keine Deutung nachschieben. Der letzte Satz gehört dem Coachee.
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