Geld
Sicherheit, Freiheit, Kontrolle
Dein Verhältnis zu Geld – welche Funktion es innerlich erfüllt, wovor es schützen soll und welche Entscheidungen es unbemerkt für dich trifft.
Dauer des Gesprächs: 75–90 Min.
Fachlicher Rahmen: Systemische Fragetechnik, Schemaarbeit (Mangel/Unerbittliche Standards), Familienskript zu Geld und Sicherheit.
Gespräch entlang des Leitfadens führen und direkt in Nokatis aufzeichnen
Transkription läuft mit – Text kann korrigiert werden
Psychologisches Gutachten erhalten – Ansicht und PDF
Nokatis
Reflexions-Leitfaden · Geld
Coaching-Leitfaden: Geld
Worum es in diesem Gespräch geht
Es geht nicht um Zahlen, sondern um die psychische Funktion von Geld: Sicherheit, Freiheit, Kontrolle und Zugehörigkeit.
Arbeitshypothesen
- Möglich ist, dass Geld ein Gefühl reguliert, das anders schwer erreichbar ist – prüfbar daran, welches Gefühl beim Kontostand kippt.
- Möglich ist, dass eine Familienregel zu Geld unverändert weitergeführt wird – prüfbar an Sätzen, die wörtlich aus der Herkunft stammen.
- Möglich ist, dass „genug“ bewusst unbestimmt bleibt, weil ein definiertes Genug zur Entscheidung zwingen würde.
Setting und Ablauf
Thema dieses Gesprächs ist dein Verhältnis zu Geld. Plane 75–90 ungestörte Minuten und zeichne das Gespräch auf – die Auswertung arbeitet mit dem Wortlaut. Grundhaltung: beobachten statt bewerten, Hypothesen bleiben Hypothesen.
- Zeitaufteilung: 10 Min. Einstieg · je 12 Min. Teil 1–3 · 10 Min. Teil 4 · 15 Min. Teil 5 · 10 Min. Teil 6 · 8 Min. Abschluss
- Rahmen zu Beginn benennen: Aufnahme, Vertraulichkeit, jederzeit Pause möglich, kein Ergebnisdruck.
- Coach spricht wenig: offene Frage, dann aushalten. Stille von 5–10 Sekunden gehört zum Verfahren.
- Nicht deuten, sondern spiegeln: „Du hast gerade gesagt … – stimmt das so?“
Coach-Hinweis: Wenn der Coachee ins Erklären und Rechtfertigen kippt, zurück zur konkreten Szene: Wann, wo, wer war dabei, was genau wurde gesagt?
Einstieg
„Nimm dir Zeit – es gibt keine richtigen oder falschen Antworten, nur ehrliche. Erzähl mir von einer Situation der letzten Wochen, in der Geld eine Rolle gespielt hat und etwas in dir eng geworden ist.“
Teil 1 – Wo ich heute stehe
Bestandsaufnahme auf Verhaltensebene: konkrete Situationen der letzten Wochen statt allgemeiner Selbstbeschreibung. Bleib bei Beispielen, bis sie szenisch werden.
- Wenn du an Geld denkst – welches Gefühl ist der erste Impuls? (z. B. Ruhe, Druck, Kontrolle, Knappheit, Freiheit, Schuld)
- Gibst du eher leicht aus oder hältst du eher fest? In welchen Situationen kippt das jeweils ins Gegenteil?
- Wofür gibst du ohne Zögern Geld aus – und wofür fällt es dir schwer, selbst wenn du es problemlos könntest?
- Redest du offen über Geld oder meidest du das Thema? Mit wem geht es leicht, mit wem nicht?
- Ganz ehrlich: Welches eine Geldverhalten von dir würdest du jemandem nicht gerne erklären müssen?
Coach-Hinweis: Beschreiben lassen wie bei einem Freund, den man beobachtet – nüchtern, ohne Bewertung. Achte auf die Lücke zwischen objektiver Lage und erlebtem Mangel.
Teil 2 – Woher es kommt
Biografische Spur: Wo hat dieses Muster gelernt werden können? Es geht um Prägung und Funktion, nicht um Schuld.
- Was ist deine früheste Erinnerung, in der Geld eine Rolle spielte? Was hast du dabei gefühlt?
- Wie wurde bei dir zu Hause über Geld gesprochen – offen, gar nicht, als Sorge, als Streitpunkt, als Tabu?
- Was hat dein Vater dir – in Worten oder durch sein Verhalten – über Geld vermittelt? Und deine Mutter?
- Hattet ihr „genug“? Und unabhängig von der Realität: Hat es sich angefühlt, als hättet ihr genug?
- Gab es einen Moment, in dem du dir innerlich etwas über Geld „geschworen“ hast? („Mir wird das nie passieren …“)
Coach-Hinweis: Es geht um Prägung und Funktion, nicht um Schuld. Kindliche Szenen bringen häufig ein Bild statt einer Erklärung – bleib beim Bild.
Teil 3 – Was es in mir auslöst
Affekt- und Körperebene: Welche Emotion trägt das Muster, und wie kündigt sie sich körperlich an?
- Wenn viel Geld auf dem Konto ist – wofür steht das für dich? (Sicherheit? Freiheit? Wert? Beweis?)
- Wenn wenig da ist – welche Angst meldet sich wirklich? Der Mangel selbst oder etwas dahinter (Kontrollverlust, Versagen, Abhängigkeit)?
- Vervollständige spontan: „Geld bedeutet für mich …“ · „Reiche Menschen sind …“ · „Wer kein Geld hat, ist …“ · „Wenn ich Geld ausgebe, fühle ich mich …“
- Was von diesen Sätzen ist deine Überzeugung – und was hast du nur übernommen, ohne es je zu prüfen?
- Was passiert körperlich, wenn du dein Konto ansiehst – wo genau spürst du das?
Coach-Hinweis: Geld ist selten nur Geld – es steht meist stellvertretend für etwas anderes. Die Satzergänzungen ohne Nachdenken sprechen lassen.
Teil 4 – Meine Glaubenssätze
Kognitive Ebene: die inneren Sätze, die als Wahrheit behandelt werden. Lies sie langsam vor und markiere, was wiedererkannt wird.
- Vermeidung – „Geld ist nicht wichtig“, „Über Geld redet man nicht“, „Geld verdirbt den Charakter.“ Wie nah ist dir das?
- Verehrung – „Mehr Geld würde meine Probleme lösen“, „Genug ist nie wirklich genug.“ Wo erkennst du dich?
- Status – „Was ich besitze, sagt etwas über meinen Wert.“ Woran merkst du das im Alltag?
- Wachsamkeit – „Man muss sparen und vorsichtig sein.“ Sicherheit durch Kontrolle: Wo spürst du die Anspannung?
- Welches Muster lebten deine Eltern – hast du es übernommen oder bewusst das Gegenteil gewählt?
- Wo hilft dir dein Muster? Und wo steht es dir im Weg oder kostet dich etwas (Geld, Zeit, Beziehung, Ruhe)?
Coach-Hinweis: Vier Grundmuster der Geldpsychologie – meist ist es eine Mischung. Nicht widerlegen: jeder Satz hatte einmal Schutzfunktion.
Teil 5 – Die Punkte verbinden
Synthese: Herkunft, Gefühl und heutiges Verhalten werden zu einer Dynamik zusammengeführt – inklusive Funktion und Preis.
- Wenn du Teil 2 (Herkunft) neben Teil 1 (heute) legst: Wo siehst du eine direkte Linie?
- Welches heutige Verhalten ist eigentlich eine alte Antwort auf eine alte Situation?
- Gibt es ein Verhalten, das dir früher gedient hat, heute aber nicht mehr passt – das du trotzdem beibehältst?
- In welcher Situation handelst du beim Geld gegen deine eigene Vernunft? Was passiert in dir kurz bevor du es tust?
- Welche eine Erkenntnis von heute überrascht dich am meisten?
Coach-Hinweis: Hier entsteht die zentrale Dynamik. Formuliere sie testweise als Hypothese und lass korrigieren, statt zu bestätigen.
Teil 6 – Wohin ich will
Richtung statt Zielsetzung: eine erlebbare Beschreibung und ein Schritt, der diese Woche möglich ist.
- Welches Verhältnis zu Geld wünschst du dir? Beschreibe es als Gefühl, nicht als Zahl: „Ich möchte mich beim Geld … fühlen.“
- Was müsstest du loslassen (ein Glaubenssatz, eine Angst, ein Vergleich), um diesem Gefühl näher zu kommen?
- Was ist die eine kleinste Sache, die du in den nächsten Wochen anders machen oder beobachten möchtest?
- Wenn du in einem Jahr auf heute zurückblickst – was möchtest du dir dann sagen können?
- Wer darf davon wissen, und wer besser noch nicht?
Coach-Hinweis: Erst nach dem Verstehen der Blick nach vorne – sanft, nicht als Vorsatzliste. Ein kleiner, überprüfbarer Schritt genügt.
Behutsam sein bei
- Wenn Erinnerungen überwältigend werden: Gespräch unterbrechen, orientieren (Raum, Atem, Boden), erst danach entscheiden, ob weitergearbeitet wird.
- Kein Nachbohren bei möglichen traumatischen Erfahrungen – benennen genügt, Vertiefung gehört in einen therapeutischen Rahmen.
- Bei anhaltender Niedergeschlagenheit, Angst oder Selbstgefährdung: Gespräch beenden und auf psychotherapeutische bzw. ärztliche Hilfe verweisen. Coaching ersetzt keine Behandlung.
Abschluss
„Bevor wir aufhören: Lass uns nichts zusammenfassen, was schöner klingt als es ist. Sag in zwei, drei Sätzen, was jetzt am deutlichsten dasteht.“
- Was war der ehrlichste Satz, den du heute gesagt hast?
- Was hast du heute zum ersten Mal laut ausgesprochen?
- Was nimmst du mit – und was möchtest du bewusst liegen lassen?
Coach-Hinweis: Kein Ratschlag am Ende, keine Deutung nachschieben. Der letzte Satz gehört dem Coachee.
Nokatis · Vertraulich · Erstellt für dich persönlich